Universität Leipzig
Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

Diplomarbeit

"Personale Determinanten morphischer Resonanz"
verfaßt und vorgelegt von Dirk Baumeier

wissenschaftliche Betreuer:
Prof. Jürgen Guthke
Dr. Jens Beckmann

Leipzig im Februar 1996

- für das Internet leicht veränderte und gekürzte Version -




Inhaltsverzeichnis



Einstimmung

Die Theorie der morphischen Felder

Anliegen der Diplomarbeit

Anforderungen an den Versuchsplan

Verwendete Testverfahren
Test zur Prüfung unbewußter morphischer Effekte (MORPH 1)
Test zur Prüfung bewußter morphischer Effekte (MORPH 2)
Advanced Progressive Matrices (APM)
NEO-Fünf-Faktoren Inventar (NEO-FFI)
Syntaktischer Regel- und Lexikerwerb (SRL)
Fragenblatt zur Fremdsprachenbeherrschung

Fragestellungen und Hypothesen der Arbeit

Beschreibung der Stichprobe

Ergebnisse
Prüfung der Hypothese 1
Prüfung der Hypothese 2
Prüfung der Hypothese 3
Prüfung der Hypothese 4
Prüfung der Hypothese 5

Interpretation
Interpretation der entschiedenen Hypothese 1
Interpretation der entschiedenen Hypothese 2
Interpretation der entschiedenen Hypothese 3
Interpretation der entschiedenen Hypothese 4
Interpretation der entschiedenen Hypothese 5
Ausblick

Literaturverzeichnis

Erklärung über den Originalcharakter der eingereichten Arbeit

Anhang
Deskriptive Statistik aller Variablen
Prüfung auf Geschlechtsunterschiede
Andere Signifikanzen
Zusammenhänge zum SRL
Ergebnisse aller Versuchspersonen (nicht im Internet)
Auswertung auf Itemebene (nicht im Internet)
Versuchsmaterial (nicht im Internet)




Einstimmung


Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen und Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.


Johann Wolfgang Goethe
aus "Urworte. Orphisch", Dämon

Diese geheimnisvolle Formentwicklung, die Morphogenese, die alles Lebendige prägt, aus der es gleichsam kaum Entrinnen gibt, sind Gegenstand einer Theorie, zu der die vorliegende Arbeit Stellung bezieht.
Als der englische Biochemiker Rupert Sheldrake im Jahre 1981 ein kleines Büchlein mit dem Titel "A new Science of Life" veröffentlichte, in dem er das Rätsel der Formentstehung und -entwicklung auf neue Art zu beantworten versuchte, ahnte er sicher noch nicht, daß seine zunächst vorsichtig geäußerten Hypothesen seine Leser bald in flammende Befürworter und hitzige Gegner spalten sollten. Wie kaum zu einer anderen modernen Theorie entbrennen seitdem zum Sheldrakeschen Ansatz leidenschaftliche Debatten zwischen extremen Positionen: glauben die einen in ihm eine geniale Entdeckung, so sehen die anderen darin eher eine Gratwanderung am Rande der Wissenschaftlichkeit. Der Verfasser dieser Arbeit selbst sieht mit einer Mischung aus Bewunderung und Skepsis auf die Gedanken des Engländers.




Die Theorie der morphischen Felder


Im voraus sei eingeräumt, daß die folgenden Ausführungen die Theorie in aller Kürze darstellen. Die fünf bislang im deutschen Sprachraum erschienenen Bücher von Rupert Sheldrake, die gemeinsam mit den wichtigsten Publikationen anderer Autoren zur Theorie der morphischen Felder im Literaturverzeichnis aufgeführt sind, lassen sich natürlich hier nur knapp und in den für die Fragestellungen der vorliegenden Arbeit relevanten Dimensionen abhandeln.



Rupert Sheldrake

Die Kernidee von Rupert Sheldrake postuliert eine Art Kollektivgedächtnis außerhalb der individuellen Gehirne. Auf die Frage, ob Gedächtnisspeicherung überhaupt im Gehirn möglich sei, die Sheldrake im Kontext negativer neurophysiologischer Befunde verneint, soll hier nicht eingegangen werden. Es mag der Hinweis auf einen fundamentalen Fehler der Verfechter der Annahme, das Gedächtnis sei im Gehirn, genügen. Diese argumentieren nämlich trotz bislang mißglückter Versuche, Gedächtnisspuren (Engramme) nachzuweisen, die Speicherung im Gehirn sei schon deshalb evident, da es zu spezifischen Gedächtnisausfällen (Amnesien) nach Schädel-Hirn-Traumen (vgl. z. B. Gardner, 1974; Luria, 1970, 1973) und gewissermaßen umgekehrt zu spezifischen Erinnerungen bei künstlich evozierter elektrischer Reizung bestimmter Rindenbereiche des Cortex kommen kann (vgl. z. B. Penfield, 1975: Er löste durch elektrische Reizung des primären Hör- und Sehzentrums bei seinen Versuchspersonen akustische und visuelle Halluzinationen wie Lichtblitze und summende Geräusche aus. Wurde bei ihnen auch das sekundäre Sehzentrum elektrisch gereizt, führte dies zu erkennbaren visuellen Halluzinationen von vertrauten Menschen, Blumen, Tieren und ähnlichem. In einer gemeinsamen Untersuchung mit Roberts [Penfield & Roberts, 1979] konnten bei Reizung bestimmter Regionen des Schläfenlappens bei Epileptikern sogar ganze Erinnerungssequenzen wie Konzertbesuche oder Telefongespräche künstlich erzeugt werden.).

Hier wird übersehen, daß diese Befunde lediglich zeigen, daß das Gehirn am Prozeß des Abspeicherns und Erinnerns von Informationen beteiligt ist - nicht, daß die Speicherung selbst im Gehirn erfolgt. Als Analogie diene der Pianist, der auf dem verstimmten Flügel ("Hardware") selbst durch brilliantes Spiel der Noten ("Software") nur Dissonanzen in unseren Ohren hinterläßt.

Sheldrake meint nun, der experimentelle Nachweis des Gedächtnisses im Gehirn könne schon deshalb nicht gelingen, da es sich gar nicht im Gehirn befände. (Bemerkenswerterweise löste sich auch der oben zitierte Wilder Penfield nach langjähriger Beschäftigung mit der Gedächtnisspeicherung von der Annahme, das Gedächtnis läge im Gehirn.) Wolf (1984) zitiert ihn wie folgt:

"Ich hatte zunächst angenommen, die Erinnerungsaufzeichnung müsse dort im Cortex in der Umgebung der Punkte lokalisiert sein, an denen die Reizungselektrode eine Erfahrungsreaktion auslösen kann. Das war ein Irrtum ... Die Aufzeichnung ist nicht im Cortex." (S.56)

Der Ort der Speicherung liegt nach der Ansicht Sheldrakes in sogenannten morphischen Feldern außerhalb des Organismus. Der Feldbegriff stammt aus der Physik und bedeutet dort die Zuordnung der Werte einer Größe zu allen Punkten eines physikalischen Raumes. Felder sind mit den Sinnen nicht unmittelbar wahrnehmbar, aber an deren Wirkungen erkennbar. Gleiches gilt auch für die morphischen Felder. Eignet sich ein Angehöriger einer biologischen Spezies ein bestimmtes Verhalten an, so wird sein morphisches Feld beeinflußt. Behält er dieses Verhalten lange genug bei oder wird es von vielen seiner Gattung ebenfalls angeeignet, sollte es für alle weiteren Angehörigen dieser Gattung leichter sein, ebenfalls dieses Verhalten zu erlernen. Die Theorie der morphischen Felder postuliert also eine kumulative Wirkung bereits gelernten Wissens: je mehr Individuen bereits ein Verhaltensmuster beherrschen, desto leichter wird es für jedes weitere Individuum, dieses sich auch anzueignen - oder anders ausgedrückt: die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Verhaltens wird mit der Anzahl der bereits dieses Verhalten zeigenden Individuen erhöht. Durch Wiederholung gerät Verhalten in eine "Spur", und je öfter sie wiederholt wird, desto tiefer wird diese Spur. Den Zugriff auf das Kollektivgedächtnis nennt man "morphische Resonanz". Neben der Häufigkeit bereits aufgetretenen Verhaltens wird die morphische Resonanz noch von einem weiteren Kriterium erleichtert: der Ähnlichkeit. Je ähnlicher sich Individuen (oder Situationen) sind, desto leichter gelingt der Zugriff auf das erlernte Wissen des anderen. Selbst unsere persönlichen Gewohnheiten könnten auf den kumulierten Einfluß unseres früheren Verhaltens zurückzuführen sein, da wir uns selbst natürlich am ähnlichsten bleiben.

Sollte Sheldrake Recht haben, ließen sich manche Dinge plötzlich neu bewerten. So meint er (Welte, 1991):

"Die konventionelle Idee, daß unsere Gedanken private Angelegenheiten sind, die innerhalb von unseren Gehirnen passieren, diese Idee möchte ich durch meine Überlegungen und Vorschläge anfechten. Wenn morphische Resonanz tatsächlich existiert, dann ist die wichtigste Begleiterscheinung unserer bewußten Gedanken, daß alles was wir denken, genauso wie das, was wir tun und sagen, andere beeinflussen kann. Das gibt uns eine größere Verantwortung für unser Denken, für den Standpunkt und die Geisteshaltung, welche wir einnehmen." (S. 98)

Die Theorie der morphischen Felder hat den großen Vorteil, daß sie empirisch überprüfbar ist. Tatsächlich gibt es am New Yorker International Center for Integrative Studies sogar einen "Morphic Resonance Research Fund", der wissenschaftliche Studien zur Theorie fördert. Mittlerweile sind einige Experimente durchgeführt worden, auf die hier nicht ausführlich eingegangen werden soll (eine Auswahl findet sich z. B. in Sheldrake, 1993), Die meisten Experimente beruhen darauf, daß ein bereits von vielen Menschen beherrschtes Verhalten (z. B. Schreibmaschineschreiben, bestimmte Sportarten, Kinderreime usw.) sich besser aneignen läßt als ein neues Verhalten. Dazu sollen beispielsweise Angehörige eines anderen Sprachraumes einen uralten persischen Kinderreim und ein äußerlich ähnliches, sich auch reimendes zeitgenössisches persisches Gedicht ohne Kenntnis derer Bedeutungen auf Persisch auswendig lernen. Wenn nun der uralte Reim signifikant schneller erlernt und besser behalten wird, führt man dies in der Regel auf leichtere morphische Resonanz durch das jahrhundertelange Rezitieren dieses Reimes zurück (Das vielfache Rezitieren sollte also die morphischen Felder der gesamten Menschheit beeinflußt haben, so daß davon profitiert werden kann.). In ähnlicher Weise sollte die Original-Schreibmaschinen-Tastatur (QWERTY) selbst von Angehörigen der kyrillischen und griechischen Schriftgemeinschaft wesentlich schneller erlernt werden als jede modifizierte. Solche Befunde wurden tatsächlich erbracht, z. B. zu Kinderreimen (Sheldrake, 1993), zum Schreibmaschine-Lernen (Michaels, 1971) oder zum schnelleren Erlernens des echten Morsealphabetes gegenüber veränderten (Mahlberg, 1987).

Oft im Kontext der Theorie der morphischen Felder diskutiert werden die schon klassisch zu nennenden Untersuchungen von McDougall (1927, 1930, 1938). Exemplarisch für ähnliche Experimente seien diese hier kurz skizziert. McDougall startete 1920 in Harvard seine erste Versuchsserie mit weißen Ratten des Wistar-Stammes. Seine Zielstellung war es damals zunächst, die von Lamarck (1909) postulierte Vererbung erworbener Eigenschaften experimentell zu prüfen. Die Annahme der Vererbung erworbener Eigenschaften galt damals (im übrigen selbst für Charles Darwin) als selbstverständlich. (Heute leugnet die vorherrschende Lehrmeinung der Genetik eine solche Vererbung mit Hinweis auf die theoretische Unmöglichkeit bei Annahme der ausschließlichen Richtigkeit der Mendelschen Gesetze). McDougall warf seine Laborratten in ein Wasserbecken, aus dem sie zu entkommen lernen mußten. Das Becken hatte zwei Durchgänge, die aus dem Wasser herausführten, wobei jeweils der "falsche" Durchgang hell erleuchtet war, der "richtige" nicht. Versuchte die Ratte das Wasser durch den falschen Durchgang zu verlassen, bekam sie einen elektrischen Schock. McDougall registrierte die Anzahl der Fehlentscheidungen jeder Ratte bis sie gelernt hatte, immer den nicht beleuchteten Durchgang zu benutzen, wobei die Beleuchtung natürlich variiert wurde. Im Schnitt waren dies 165. Er paarte nun seine Ratten (zufällig) untereinander, züchtete die Nachkommen, unterzog diese der gleichen Prozedur und so fort. Das Experiment wurde über 32 Generationen fortgesetzt und dauerte 15 Jahre. Es ließ sich eindrucksvoll belegen, daß Ratten aufeinanderfolgender Generationen zunehmend schneller lernten. Die durchschnittliche Anzahl von Fehlversuchen sank zum Beispiel in der achten Generation auf 56, in der fünfzehnten auf 20.

(Lashley führte 1950 ähnliche Experimente durch, indem er Ratten auf das fehlerfreie Durchlaufen eines Labyrinths trainierte. Auch er fand Lerngewinne bei später untersuchten Ratten, als hätten sie auf das Gedächtnis ihrer Vorgänger zurückgreifen können. Methodisch ist hier aber einwendbar, daß die Tiere vielleicht in irgend einer Weise bestimmte Duftstoffe an den Labyrinthwänden hinterließen, die die Orientierung für ihre Nachfolger erleichterten. Diesen Fehler umging McDougall durch die Nutzung des hervorragenden Schwimmpotentials von Ratten.)

Aber auch am Versuchsplan McDougalls wurden sofort nach der Veröffentlichung Kritiken laut (z. B. Crew, 1936), daß sich nämlich trotz der Zufallsauswahl von Eltern für die Zucht der Nachkommen irgendeine Selektion zugunsten der schneller lernenden Ratten eingeschlichen haben könnte. Geduldig begann McDougall ein neues Experiment, indem er jetzt bewußt immer die am schnellsten und die am langsamsten lernenden Ratten jeder Generation für die Weiterzucht verwendete. Die Lerngeschwindigkeit erhöhte sich indes in beiden Gruppen. Allerdings war die Versuchsanordnung wieder nicht optimal: McDougall versäumte nämlich, die Lerngeschwindigkeit von Ratten, deren Eltern überhaupt nicht trainiert wurden, zu messen.

Das Experiment wurde deshalb 1954 von Agar an der Universität Melbourne wiederholt, das über einen Zeitraum von 20 Jahren an trainierten und untrainierten Ratten über 50 Generationen erfolgte. Als verblüffendes Ergebnis verzeichnete er ein deutlich schnelleres Lernen auch bei untrainierten Ratten, was gegen die Lamarcksche Vererbung sprach. Die Ergebnisse schienen nun völlig unerklärbar und wurden deshalb (wie oft in der Wissenschaft) nicht weiter verfolgt. Die Theorie der morphischen Felder versucht nun eine Erklärungslücke für solche "Gedächtnisphänomene" zu schließen, indem sie den Mechanismus der morphischen Resonanz für eben solche verantwortlich macht.

Die Frage der materiellen Basis der morphischen Felder und deren eventueller Abschwächung über große Entfernungen oder Generationen blieb in den bisherigen Experimenten weitesgehend unberücksichtigt. Sheldrake schlägt in seinen Veröffentlichungen vor, die morphischen Felder als nicht-materielle Kraftzonen, die Raum und Zeit gewissermaßen transzendieren, zu betrachten. Eine Entscheidung hierüber obliegt jedoch eher den philosophischen und physikalischen Disputen entsprechender Fachleute und ist für die beobachteten Effekte unerheblich.

Die ganze Theorie ist natürlich umstritten. Während das englische Wissenschaftsmagazin "Nature" Sheldrakes erstes Buch als einen Top-Kandidaten für die Bücherverbrennung bezeichnete, schrieb der "New Scientist": "Sheldrake gehört zu jenen echten, visionären Entdeckern, die in früheren Zeiten neue Kontinente fanden".

Ein schlechtes Licht auf Sheldrake wirft meines Erachtens aber die methodische Bedenklichkeit mancher Experimente sowie die Okkupation seiner Theorie durch einige unseriöse Esoteriker. Sheldrake selbst, der immer wieder betont, seine Theorie sei nur ein Modell, welches gegebenenfalls modifiziert werden müsse, ermuntert zwar (z. B. über das Institute of Noetic Sciences im kalifornischen Sausalito) zu kritischen Überprüfungen seiner Theorie, durch deren "paranormal" angehauchtem Flair ist jedoch die Bereitschaft dazu noch verhältnismäßig niedrig.

Zudem können mich einige vorliegende Befunde, welche für seine Theorie sprechen, nicht überzeugen. Ein Beispiel hierfür ist die Untersuchung von Prof. Ertel (1991) an der Universität Göttingen. Er untersuchte mit Diplomanden das Wiedererkennen von japanischen Schriftzeichen in richtiger und falscher Lage unter Distraktoren. Dazu wurden den Versuchspersonen auf einem Diabild für acht Sekunden lagerichtige bzw. lageveränderte Zeichen präsentiert, die anschließend in einem Testheft unter ebenfalls japanischen Distraktoren angestrichen werden sollten. In Vorversuchen wurde geklärt, daß die lageveränderten Zeichen (gedreht oder gespiegelt) für das "deutsche" Auge ebenso "japanisch" aussehen wie die lagerichtigen. Nach Sheldrakes Theorie wäre zu erwarten gewesen, daß die richtige Raumlage (durch jahrhundertelangen Gebrauch in Japan) besser wiedererkannt wird als jede veränderte. Tatsächlich fand Ertel eine Abhängigkeit des Wiedererkennens der Lernitems von der Lage der Distraktoren; waren diese nämlich falsch liegend, wurden die Lernitems (unabhängig deren richtiger oder falscher Lage) besser wiedererkannt. In einem Folgeexperiment fand er schließlich eine signifikante Wechselwirkung zwischen Lernitemlage und Distraktorlage: Lernitems in richtiger wurden unter Distraktoren in falscher Lage besser wiedererkannt und umgekehrt. Im Hinblick auf die in den Vorversuchen ermittelte "Ununterscheidbarkeit" richtiger und falscher Lagen schien diese "Figur-Grund-Wirkung" überraschend und in die Richtung der Sheldrake'schen Theorie zu weisen. Trotzdem halte ich die gefundenen Effekte aus einem bedeutenden Grund für einen Artefakt: Die neun verwendeten vermeintlichen Hiragana-Zeichen sind nämlich keine. Die japanische Schriftsprache verwendet zwei Silbenalphabete (Hiragana und Katakana) sowie die weitesgehend aus China übernommenen Schriftzeichen (Kanji). Ertel entnahm, offenbar frei von jeder Kenntnis der japanischen Sprache, einem antiquierten Buch der Reichsdruckerei Berlin aus dem Jahre 1924 neun Hiragana-Zeichen. Diese Zeichen sind aber arg vom tatsächlichen Hiragana verfremdet. Ich legte sie zur Kontrolle einem Japaner vor - auf Anhieb erkannte er nur ein einziges Zeichen ("ra"). Nach ca. einer Minute gelang die Zuordnung dreier weiterer Zeichen ("fu", "de", "ha"); die restlichen fünf konnten selbst für den Japaner nur nach Konsultation verschiedener Nachschlagewerke und unter gehöriger Anspannung der Phantasie als japanisch identifiziert werden (wahrscheinlich "o", "me", "bo", "ya" und unter Annahme der Trunkenheit des Schreibers "ro"). Verschließt man sich auch mutig der Schriftreformen durch den japanischen Kaiser in den dreißiger und vierziger Jahren, so wird selbst für die Älteren unter uns die in den Ertel'schen Experimenten verwendete Hiragana-Schreibung nicht erinnerbar.

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Anliegen der Diplomarbeit


Zunächst gilt es, die Theorie der morphischen Felder bei Menschen empirisch zu prüfen. Darüber hinaus steht aber eine Frage im Mittelpunkt, die bisherige Versuche übersahen: Hängt die Fähigkeit zur morphischen Resonanz möglicherweise von besonderen Eigenschaften der Menschen ab? Sind vielleicht gar nicht alle Menschen in gleicher Weise dazu in der Lage, das Kollektivgedächtnis "anzuzapfen"? Die Intention der Arbeit wird deshalb am ehesten aus derem Titel ersichtlich: Personale Determinanten morphischer Resonanz. (Wahrscheinlich gibt es auch bei Tieren solche Determinanten, die hier natürlich nicht untersucht werden können.)




Anforderungen an den Versuchsplan


Als erstes soll geprüft werden, ob es "morphische" Effekte überhaupt gibt. Diese Effekte sollten sowohl unter einer "unbewußten" als auch unter einer "bewußten" Anforderung ermittelt werden, um dadurch Hinweise zu sammeln, ob morphische Resonanz vielleicht in Beziehung zum "Bewußtseinsgrad" der Versuchspersonen steht.

Zweitens sollte der Versuchsplan es ermöglichen, die "morphischen Eigenschaften" der Versuchspersonen mit deren Ausprägungen auf verschiedenen psychischen Dimensionen zu vergleichen. Faktisch wird also danach gefragt, was die "morphisch leistungsfähigen" bzw. "leistungsunfähigen" Menschen psychisch gemeinsam haben. Dazu sind Mehrfacherhebungen notwendig: jede einzelne Versuchsperson muß eine ganze Testbatterie durchlaufen. Sie erhält auf jeder getesteten Dimension einen Rangplatz; in der Auswertung werden dann praktisch die Rangplätze miteinander verglichen.




Verwendete Testverfahren


Folgende psychodiagnostische Testverfahren kamen in der Untersuchung zur Anwendung: ein selbstentwickelter Test zur Prüfung unbewußter morphischer Effekte (im folgenden "MORPH 1"), ein selbstentwickelter Test zur Prüfung bewußter morphischer Effekte (im folgenden "MORPH 2"), der Intelligenztest "Raven Advanced Progressive Matrices" (im folgenden "APM"), der Persönlichkeitsfragebogen "NEO-Fünf-Faktoren Inventar" (im folgenden "NEO-FFI"), der Test zur Fremdsprachenlernfähigkeit "Diagnostisches Programm 'Syntaktischer Regel- und Lexikerwerb'" (im folgenden "SRL"), ein selbstentwickeltes Fragenblatt zur Fremdsprachenbeherrschung.

Diese Verfahren wurden als geeignet angesehen, ein möglichst breites Spektrum psychischer Dimensionen eines Menschen abzubilden. Da die Intelligenz zweifellos auf kognitive Leistungen Einfluß ausübt, schien deren Diagnostik notwendig. Der auswertungstechnisch und zeitlich vergleichsweise ökonomische Raven schien hier besonders angebracht. Für die Diagnostik einzelner Persönlichkeitseigenschaften bot sich das NEO-FFI an. Zum einen erbrachten zahlreiche Untersuchungen (vgl. z. B. Ostendorf, 1990) eine Beschreibbarkeit des Menschen durch fünf robuste Persönlichkeitsfaktoren, zum anderen war dieses Verfahren zum Zeitpunkt der Fertigung dieser Arbeit das modernste verfügbare Persönlichkeitsinventar. Da die selbstentwickelten Tests MORPH 1 und MORPH 2 mit fremdsprachigem Material arbeiten, erschien darüber hinaus eine Diagnostik der Fremdsprachenlernfähigkeit wichtig, um eventuelle Zusammenhänge zu kontrollieren. Hierfür war der am Fachbereich entwickelte SRL (Harnisch, 1985) durch seine Kürze in der ohnehin schon langen Testbatterie willkommen. Nachfolgend werden nun die genannten Verfahren näher beschrieben.




Test zur Prüfung unbewußter morphischer Effekte (MORPH 1)


Der Test besteht aus einer Lernliste mit japanischen Wörtern, welche die Versuchspersonen als Blatt Papier in die Hand bekommen. Die Instruktion lautet: "Auf diesem Blatt finden Sie 30 japanische Wörter. Sie haben 4 Minuten Zeit, sich so viele Wörter wie möglich davon einzuprägen. Natürlich werden Sie sich nur eine geringe Anzahl merken können. Lesen Sie sich deshalb die Liste durch und wählen Sie die einfach zu lernenden Wörter aus. Nach den 4 Minuten werden Sie gebeten, die eingeprägten Wörter aufzuschreiben."

Was die Versuchspersonen nicht wissen, ist, daß die Hälfte der vermeintlichen Vokabeln gar keine sind, das heißt, es sind in Wirklichkeit völlig sinnlose Kunstworte, die es im Japanischen überhaupt nicht gibt. Dazu wurde aus jedem der 15 echten japanischen Worte ein Anagramm, also eine sinnlose Verwürflung seiner Buchstaben durchgeführt. Auf diese Weise ist gewährleistet, daß alle Buchstaben der echten Wörter in den Kunstworten erhalten bleiben. Strengstens wurde in der Konstruktion darauf geachtet, daß die Kunstworte nicht "künstlich" wirken: sie kommen zwar im Japanischen nicht vor, könnten es aber aufgrund ihrer Buchstabenkonstellationen. Die Anhäufung vieler Konsonanten ohne dazwischenliegende Vokale ist wie im Deutschen auch im Japanischen nicht möglich und wurde natürlich bei den Kunstworten vermieden. Besonders sorgfältig wurde darauf geachtet, daß die Endungen der Kunstworte im Japanischen gebräuchlich sind. Der Verfasser dieser Arbeit besitzt selbst Kenntnisse der japanischen Sprache, ließ trotzdem alle hergestellten Anagramme von einem japanischen Muttersprachler durchsehen. (Hierbei mußte z. B. ein Kunstwort nochmals verändert werden, da es - obgleich es das Wörterbuch nicht auswies - zufällig dem Namen eines bekannten Kaufhauses in Kyoto entsprach.) Um wirklich sicher zu gehen, daß die unechten Worte von Deutschen nicht irgendwie als solche erkannt werden, wurde eine Voruntersuchung durchgeführt. Deutsche Versuchspersonen erhielten die Gesamtliste (echte und unechte Worte vermischt); ihnen wurde mitgeteilt, daß nur die Hälfte der Wörter tatsächlich existiert; diese sollten herausgefunden werden. Erst als jedes falsche Wort mindestens von einer Versuchsperson als echt erlebt wurde, konnte es in der Liste verbleiben - andernfalls wurde es erneut verändert.

Um annähernd gleiche Lernschwierigkeiten bei allen Worten zu erzeugen, wurden ausschließlich dreisilbrige Worte verwendet. Zur Verhinderung der eventuellen Lernbevorzugung im MORPH 1 durch die deutsche Übersetzung der Vokabel, werden diese den Versuchspersonen nicht mitgeteilt (für die Lernenden stellt die Lernliste also eine Anhäufung für sie sinnloser Silben dar).

Im folgenden werden die verwendeten japanischen Wörter in alphabetischer Reihenfolge mit deren deutschen Übersetzungen und den aus ihnen hergestellten Anagrammen aufgeführt:

Originalworte mit ÜbersetzungAnagramme ohne Bedeutung
1. bakudan = Bombe kanduba
2. emono = Beute omone
3. hatsubai = Verkauftsaihasu
4. hondana = Bücherregal nadohan
5. inago = Heuschrecke ogani
6. kammuri = Krone rimukam
7. karada = Körperradaka
8. mannaka = Mitte kamanna
9. megane = Brillegemane
10. nagisa = Küste nisaga
11. namida = Tränemanida
12. okori = Ursprung ikoro
13. tamago = Eigatoma
14. todana = Schrank dotana
15. toshokan = Bibliothekkoshanto


Die den Versuchspersonen vorgelegte Lernliste ist einfach die alphabetische Anordnung aller 30 Wörter (echte und unechte gemeinsam). Das "E" kennzeichnet hier die echten Worte und fehlt natürlich in der eigentlichen Lernliste:

1. bakudanE
2. dotana
3. emonoE
4. gatoma
5. gemane
6. hatsubaiE
7. hondanaE
8. ikoro
9. inago E
10. kamanna
11. kammuriE
12. kanduba
13. karadaE
14. koshanto
15. manida
16. mannakaE
17. meganeE
18. nadohan
19. nagisaE
20. namidaE
21. nisaga
22. ogani
23. okoriE
24. omone
25. radaka
26. rimukam
27. tamagoE
28. todanaE
29. toshokanE
30. tsaihasu


In der Testdurchführung wird den Versuchspersonen nach den 4 Minuten die Lernliste weggenommen und ihnen ein einheitliches Reproduktionsblatt ausgeteilt, auf dem sie in beliebiger Reihenfolge alle eingeprägten Wörter aufschreiben sollen.

Selbstverständlich reproduzieren die Versuchspersonen unterschiedliche Mengen von Vokabeln. Das liegt natürlich an interindividuell verschiedenen Gedächtnisleistungen und an der unterschiedlich hohen Motivation zum Erlernen sinnfreien Materials. Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl richtig erinnerter Wörter aus der Lernliste, sondern der Anteil echter Wörter an der Gesamtmenge der Reproduktion.

Die Auswertung des MORPH 1 erfolgt dadurch, daß zunächst die richtig reproduzierten Wörter ausgezählt werden. Dabei werden nur die rechtschreiblich völlig korrekt reproduzierten Wörter berücksichtigt. Anschließend werden die echten Wörter getrennt ausgezählt und durch die Gesamtmenge der Reproduktion dividiert. Dieser Quotient ist der Punktwert im MORPH 1.




Test zur Prüfung bewußter morphischer Effekte (MORPH 2)


Die Versuchspersonen erhalten mehrere Blätter, auf denen sie Vokabeln in Swahili (= Suaheli), Sanskrit und Indonesisch (= Bahasa Indonesia) sowie japanische Schriftzeichen (Kanji) finden. Es werden jeweils zu einer deutschen Vokabel zwei Vokabeln (bzw. Schriftzeichen) in der Fremdsprache angeboten. Den Versuchspersonen wird wahrheitsgemäß mitgeteilt, daß nur eines der beiden Angebote die richtige Übersetzung des deutschen Wortes ist. Die vermeintlich richtige Lösung ist dann von ihnen anzustreichen. Die Instruktion erfolgt schriftlich mit diesem Wortlaut:

"Im folgenden haben Sie die Möglichkeit, an einem interessanten Experiment teilzunehmen. Sie halten eine Vokabelliste in der Hand. Darauf finden sich jeweils 20 Vokabeln in den Sprachen Swahili, Sanskrit und Indonesisch sowie 40 japanische Schriftzeichen. Nach jedem deutschen Wort sehen Sie zwei Angebote: eine der beiden Vokabeln ist tatsächlich die richtige Übersetzung des deutschen Wortes in die Fremdsprache, das andere Wort existiert zwar auch in der jeweiligen Sprache, bedeutet aber etwas völlig anderes als das vorgegebene deutsche Wort. Sie sollen nun die richtige Vokabel herausfinden. Versuchen Sie sich dazu, in die Mentalität der Völker "hineinzuversetzen".
Swahili wird in Tansania, Kenia und in weiten Teilen des ost- und zentralafrikanischen Kontinents gesprochen. Wenn Sie z. B. das deutsche Wort "Feuer" lesen, versuchen Sie sich vorzustellen, Sie seien in Afrika, vor Ihnen knistert ein Feuer und um Sie herum wird nur Swahili gesprochen. Welches Wort "hören" Sie?
Sanskrit ist die traditionelle Gelehrtensprache Indiens. Tauchen Sie in der Phantasie so tief wie möglich in das geheimnisvolle Indien ein. Stellen Sie sich alles das vor, was Sie normalerweise mit Indien assoziieren und entscheiden Sie sich für die richtige Vokabel.
Indonesisch wird auf vielen kleinen Inseln in Ozeanien (nordwestlich von Australien) gesprochen. Stimmen Sie sich dorthin ein.
Auch die zu jedem deutschen Wort angegebenen 2 japanischen Schriftzeichen existieren beide im aktiven Sprachgebrauch jedes Japaners. Doch nur eines von beiden ist richtig übersetzt. Welches?
Treffen Sie unbedingt bei allen der 100 Wörter dieses Experimentes eine Entscheidung. Falls Sie sich einmal überhaupt nicht sicher sind, raten Sie einfach. Bitte unterstreichen Sie die richtige Übersetzung, also das Wort oder Schriftzeichen, von dem Sie glauben, daß es die fremdsprachige Entsprechung des deutschen Wortes ist. Seien Sie zuversichtlich, irgendwie doch einen "Draht" zur unbekannten Sprache zu haben! Folgen Sie Ihrer Intuition!"

Im Gegensatz zum MORPH 1 gibt es in diesem Test also keine Kunstworte (oder unechten Schriftzeichen). Die Auswahl der jeweils 40 Vokabeln in Swahili, Sanskrit und Indonesisch für diesen Test erfolgte aber keineswegs zufällig. Als Zielvokabeln wurden solche gewählt, die schon seit Jahrhunderten im Sprachgebrauch der entsprechenden Muttersprachler sind und für das Leben in der Region von besonderer Relevanz sind (z. B. Swahili: Baum, Feuer, Spur, Regen). Die "falschen" Übersetzungen hingegen, sind vornehmlich neuere Worte, die stärker an das moderne Leben gekoppelt sind (z. B. Swahili: Telefon, Autorennen, Hormon, Tennis). Da diese Worte noch nicht so lange im Sprachgebrauch sind, dürfte die morphische Resonanz auf sie schwieriger sein.

Auch die in der Instruktion forcierte Hervorrufung von Landes-Stereotypen ist durchaus gewollt, denn dieser Test hat ja gerade das Ziel, ein bestmögliches, bewußtes "Anzapfen" fremder Kulturen zu fördern.

Da auch der MORPH 2 ein Kernstück der vorliegenden Arbeit ist, werden an dieser Stelle alle verwendeten fremdsprachigen Worte in der alphabetischen Reihenfolge der deutschen Übersetzung aufgeführt:

Swahili:

1. Ameisenhaufen = kichuguu
2. Autogramm = saini
3. Autorennen = mashindano
4. Balkon = roshani
5. Banane = mgomba
6. Baum = mti
7. Berg = mlima
8. Dschungel = msitu
9. Elefant = tembo
10. Feuer = moto
11. Fisch = samaki
12. Fluß = mto
13. Flußpferd = kiboko
14. Geisel = nyara
15. Gemälde = mchoro
16. Gesamtausgabe = diwani
17. Giraffe = twiga
18. Gras = nyasi
19. Hormon = kichochezo
20. Hütte = banda
21. Joghurt = mtindi
22. Justiz = sheria
23. Juwelier = sonara
24. Kaktus = kakati
25. Maschinerie = mitambo
26. Mathematik = hisabati
27. Pyramide = haram
28. Rasen = nyasi
29. Regen = mvua
30. Schlange = nyoka
31. Schmetterling = kipepeo
32. Speer = mkuki
33. Spur = wayo
34. Stein = jiwe
35. Steuer = kodi
36. Stiege = boksi
37. Tarif = nauli
38. Telefon = simu
39. Tennis = tenisi
40. Vogel = ndege

Die den Versuchspersonen vorgelegte Entscheidungsliste "Swahili":

1. Banane:sonara (Juwelier) - mgomba (richtig)
2. Ameisenhaufen:kichuguu (richtig) - simu (Telefon)
3. Fluß:kodi (Steuer) - mto (richtig)
4. Flußpferd:kiboko (richtig) - mitambo (Maschinerie)
5. Berg:mlima (richtig) - nyara (Geisel)
6. Gras:haram (Pyramide) - nyasi (richtig)
7. Elefant:tembo (richtig) - mchoro (Gemälde)
8. Baum:saini (Autogramm) - mti (richtig)
9. Hütte:sheria (Justiz) - banda (richtig)
10. Giraffe:diwani (Gesamtausgabe) - twiga (richtig)
11. Schlange:nyoka (richtig) - mashindano (Autorennen)
12. Stein:kakati (Kaktus) - jiwe (richtig)
13. Fisch:boksi (Stiege) - samaki (richtig)
14. Speer:mkuki (richtig) - nyasi (Rasen)
15. Feuer:moto (richtig) - nauli (Tarif)
16. Schmetterling:kipepeo (richtig) - kichochezo (Hormon)
17. Vogel:ndege (richtig) - tenisi (Tennis)
18. Spur:hisabati (Mathematik) - wayo (richtig)
19. Regen:mtindi (Joghurt) - mvua (richtig)
20. Dschungel:msitu (richtig) - roshani (Balkon)


Sanskrit:

1. Affe = kapí
2. Begleiter = saciva
3. Elefant = hastín
4. Elfenbein = dánta
5. Ertrag = utpatti
6. Feder = pátatra
7. Festkleid = bhadravasana
8. Feuchtigkeit = kleda
9. Feuer = agní
10. Freund = mitrá
11. Frucht = phála
12. Gebirge = párvata
13. Gebüsch = atasá
14. Gedankengang = matigati
15. Gesicht = mukha
16. Glück = sukhá
17. Grenze = paryantá
18. Grube = khaná
19. Halbkreis = ardhacakra
20. Illusion = matibhrama
21. Irrtum = durmatí
22. Kauf = krayá
23. Knospe = mukula
24. Leder = cárman
25. Pflug = hala
26. Pfote = kara
27. Ritual = kálpa
28. Saft = rása
29. Schmerz = tápas
30. Schweigsamkeit = maunitva
31. Schweiß = svéda
32. Schwere = gaurava
33. See = sáras
34. Sohn = putrá
35. Tropfen = bindú
36. Unheil = abhadra
37. Universum = jagatsarva
38. Ursache = hetú
39. Vermehrung = parivardhana
40. Welt = loká

Die den Versuchspersonen vorgelegte Entscheidungsliste "Sanskrit":

1. Elefant:hastín (richtig) - kapí (Affe)
2. Feder:pátatra (richtig) - kleda (Feuchtigkeit)
3. Gebüsch:utpatti (Ertrag) - atasá (richtig)
4. Grenze:paryantá (richtig) - saciva (Begleiter)
5. Halbkreis:dánta (Elfenbein) - ardhacakra (richtig)
6. Festkleid:parivardhana (Vermehrung) - bhadravasana (richtig)
7. Pflug:kara (Pfote) - hala (richtig)
8. Knospe:mukula (richtig) - khaná (Grube)
9. Gebirge:durmatí (Irrtum) - párvata (richtig)
10. Ritual:tápas (Schmerz) - kálpa (richtig)
11. Gesicht:mukha (richtig) - sukhá (Glück)
12. Universum:jagatsarva (richtig) - maunitva (Schweigsamkeit)
13. Saft:rása (richtig) - krayá (Kauf)
14. Welt:loká (richtig) - mitrá (Freund)
15. Frucht:svéda (Schweiß) - phála (richtig)
16. Illusion:matibhrama (richtig) - matigati (Gedankengang)
17. Tropfen:gaurava (Schwere) - bindú (richtig)
18. Feuer:putrá (Sohn) - agní (richtig)
19. Leder:abhadra (Unheil) - cárman (richtig)
20. See:hetú (Ursache) - sáras (richtig)


Indonesisch:

1. Asche = abu
2. Ausverkauf = obral
3. Autor = pengarang
4. Botschaft = amanat
5. Boykott = pemboikotan
6. Dach = atap
7. Dämpfer = peredam
8. Darlehen = pinjaman
9. Einzahl = tunggal
10. Feder = bulu
11. Fels = wadas
12. Feuer = api
13. Filiale = cabang
14. Fisch = ikan
15. Hafen = pelabuhan
16. Inhaber = pemilik
17. Insel = pulau
18. Jalousie = kerai
19. Mast = tiang
20. Meldung = laporan
21. Memme = penakut
22. Mond = bulan
23. Muschel = kerang
24. Nebel = kabut
25. Netz = jaring
26. Ozean = samudera
27. Quote = bagian
28. Repräsentant = wakil
29. Rucksack = ransel
30. Schiff = kapal
31. Segel = layar
32. Spatel = sudip
33. Spule = kumparan
34. Stadt = kota
35. Stern = bintang
36. Überstunde = lembur
37. Vorsilbe = awalan
38. Wind = angin
39. Wolke = awan
40. Zuchthaus = penjara

Die den Versuchspersonen vorgelegte Entscheidungsliste "Indonesisch":

1. Schiff:kapal (richtig) - lembur (Überstunde)
2. Segel:sudip (Spatel) - layar (richtig)
3. Mast:tiang (richtig) - ransel (Rucksack)
4. Insel:amanat (Botschaft) - pulau (richtig)
5. Wind:obral (Ausverkauf) - angin (richtig)
6. Ozean:samudera (richtig) - pengarang (Autor)
7. Stadt:peredam (Dämpfer) - kota (richtig)
8. Asche:bagian (Quote) - abu (richtig)
9. Hafen:pelabuhan (richtig) - pemboikotan (Boykott)
10. Feuer:tunggal (Einzahl) - api (richtig)
11. Fisch:ikan (richtig) - kerai (Jalousie)
12. Netz:pinjaman (Darlehen) - jaring (richtig)
13. Muschel:kerang (richtig) - cabang (Filiale)
14. Dach:atap (richtig) - kumparan (Spule)
15. Fels:wadas (richtig) - pemilik (Inhaber)
16. Mond:bulan (richtig) - wakil (Repräsentant)
17. Wolke:penakut (Memme) - awan (richtig)
18. Stern:bintang (richtig) - penjara (Zuchthaus)
19. Nebel:laporan (Meldung) - kabut (richtig)
20. Feder:bulu (richtig) - awalan (Vorsilbe)


Die 80 verwendeten japanischen Schriftzeichen haben folgende Bedeutungen:

1. gehen:sagen - gehen
2. studieren:studieren - Vormittag
3. heiß sein:früh sein - heiß sein
4. streiten:streiten - kämpfen
5. Ausstellung:Ausstellung - Blatt
6. sehen:was - sehen
7. essen:trinken - essen
8. Steuer:Ozean - Steuer
9. Kleidung:Kleidung - haben
10. Buch:Buch - Ziffer 5
11. Gegenstand:Alkohol - Gegenstand
12. Schuhe:Schuhe - Ende
13. teuer sein:Ziffer 6 - teuer sein
14. Schachtel:einladen - Schachtel
15. Auge:Auge - Wagen
16. zu Fuß gehen:wissen - zu Fuß gehen
17. nahe sein:schlicht sein - nahe sein
18. Wasser:Wasser - Freund
19. Geschäft:Geschäft - projizieren
20. Tag:Tag - Ziffer 7
21. Spiegel:Sippe - Spiegel
22. vergessen:kommen - vergessen
23. jetzt:jetzt - Ziffer 9
24. Abend:Abend - Vernunft
25. schlagen:Eßstäbchen - schlagen
26. Fisch:Fisch - Fleisch
27. Nacht:gegenseitig - Nacht
28. schlafen:schlafen - arbeiten
29. Tee:Tee - Kuchen
30. Minute:Vermittlung - Minute
31. helfen:helfen - Weg
32. wohnen:wohnen - Jahr
33. Ehe:Fräulein - Ehe
34. Wirklichkeit:Wirklichkeit - zum zweiten Mal
35. Geist:Geist - nachdenken
36. Insel:Insel - lange Lebensdauer
37. Markt:Himmel - Markt
38. linke Seite:linke Seite - rechte Seite
39. Tür:tausend - Tür
40. zeichnen:zeichnen - Kehrseite


Die den Versuchspersonen vorgelegte Entscheidungsliste "Japanische Schriftzeichen":



Im MORPH 2 muß jede Versuchsperson also insgesamt 100 Entscheidungen treffen. Die Auswertung erfolgt einfach dadurch, daß für jede richtig erkannte Vokabel (bzw. Schriftzeichen) ein Punkt vergeben wird. Die Punkte werden über die vier Sprachen summiert und bilden den Gesamtpunktwert MORPH 2.




Advanced Progressive Matrices (APM)


Der Raven ist ein sprachfreier Intelligenztest, der den General-Faktor der Intelligenz zu messen beabsichtigt. Die Aufgaben bestehen aus vorgegebenen Mustern, in denen jeweils ein Stück fehlt, welches aus acht Distraktoren ausgewählt werden soll. Der Raven stellt Anforderungen an das logische und regelfindende Denken und gilt im allgemeinen aufgrund seiner Aufgabenstruktur als kulturfair.

Da in der vorliegenden Arbeit als Versuchspersonen Studenten untersucht worden, kam zur Verhinderung von Deckeneffekten durch zu leichte Aufgaben die fortgeschrittene Form des Raven, der APM, zum Einsatz. Dieser besteht aus zwei Teilen, wobei für die Lösung des ersten 10, für die des zweiten Teiles 40 Minuten Zeit zur Verfügung stehen.

Zur Auswertung wurden die Rohwerte (nicht die Prozentränge) verwendet, welche sich aus der Anzahl richtig beantworteter Aufgaben ergeben; die sonst übliche Transformation in Prozentränge war für den Versuchsplan dieser Arbeit nicht erforderlich, da ausschließlich die Rangplätze der Versuchspersonen entscheidend waren.




NEO-Fünf-Faktoren Inventar (NEO-FFI)


Das NEO-FFI ist ein Persönlichkeitsfragebogen mit 60 Items, die die Versuchsperson auf einer fünfstufigen Antwortskala beantworten soll. Beim NEO-FFI handelt es sich um ein faktoranalytisch konstruiertes Verfahren, welches der Erfassung individueller Merkmalsausprägungen in den Bereichen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit dient. Diese fünf Bereiche stellen sogenannte robuste Persönlichkeitsfaktoren dar und werden jeweils mit 12 Items geprüft.

Zur Kurzbeschreibung der fünf Faktoren sollen hier die folgenden Schlagwörter genügen:

- Neurotizismus: nervös, ängstlich, unsicher, streßlabil
- Extraversion: gesellig, aktiv, gesprächig, heiter
- Offenheit für Erfahrung: wißbegierig, phantasievoll, vielseitig interessiert
- Verträglichkeit: mitfühlend, wohlwollend, nachgiebig, kooperativ
- Gewissenhaftigkeit: ordentlich, zuverlässig, systematisch, ehrgeizig

Die genannten Eigenschaften beziehen sich auf Personen mit hohen Werten auf den jeweiligen Skalen; entsprechend gelten entgegengesetze Eigenschaften bei besonders niedrigen Werten.

Zum NEO-FFI gibt es (noch) keine Normen, so daß die Auswertung über die Zählung von Punkten durch eine Schablone erfolgt. Diese Summenwerte werden dann durch die Zahl beantworteter Items geteilt und dann als Mittelwerte registriert.




Syntaktischer Regel- und Lexikerwerb (SRL)


Das Diagnostisches Programm 'Syntaktischer Regel- und Lexikerwerb' ist ein diagnostisches Verfahren, das es ermöglichen soll, Sprachlernfähigkeit zu diagnostizieren, ohne auf eine natürliche Sprache zurückgreifen zu müssen. Dazu verwendet es eine Miniaturkunstsprache, bestehend aus geometrischen Figuren und zugehörigen Silben. Die Versuchspersonen sollen die Regeln zur Übersetzung der Figuren in die Silben herausfinden und nach einigen Vorgaben selbst weiterübersetzen. Dazu müssen sie erkennen, daß nicht nur die Figuren, sondern auch deren räumliche Beziehungen zueinander in Silben ausgedrückt werden.

Die umfangreiche theoretische Fundierung des SRL fußt unter anderem auf psycholinguistische Arbeiten von Chomsky (1975) und Bierwisch (1982), die "Evolutionäre Erkenntnistheorie" (Vollmer, 1981), künstliche Begriffsbildung (Klix, 1976), Erfahrungen mit Kunstsprachen (Nagata, 1976) und allgemeinpsychologischen Ansätzen zur Diagnose der Fremdsprachenlernfähigkeit (Esser, 1982).

Das Verfahren ist als Diagnostisches Programm konzipiert, das heißt, der Versuchsperson werden unmittelbare Rückkopplungen über Richtig- und Falsch-Antworten gegeben. Dieses Konzept wurde bei der vorliegenden Arbeit nicht durchgeführt. Vielmehr wurde das Verfahren als Status-Test in einer selbst hergestellten Papier-und-Bleistift-Form angewendet, um mehrere Versuchspersonen gleichzeitig untersuchen zu können.

Der SRL besteht aus zwei Teilen, wobei der erste Teil (im folgenden als "SRL 1" bezeichnet) auf einem Blatt 14 Übersetzungen fordert. Für den zweiten Teil (der sogenannten Vokabelarbeit, im folgenden "SRL 2"), wird den Versuchspersonen der SRL 1 weggenommen und sie bekommen einen neues Blatt mit 12 Figuren, die sie aus dem Gedächtnis weiter in die richtigen Silben übersetzen sollen. Den Versuchspersonen wird vorher nicht mitgeteilt, daß es zum SRL 1 noch einen zweiten Teil gibt.

Die hier angewandte Form unterscheidet sich von dem Originaltest noch dadurch, daß sie aus reproduktionstechnischen Gründen auf die rote Farbe verzichtet und stattdessen die ursprünglich roten Figuren durch weiße ersetzt. Dieses schien zunächst mit dem Nachteil erkauft, daß die zugehörige Silbe "hel" durch die Ähnlichkeit zu "hell" leichter eingeprägt werden könne. Deshalb wurden viele Versuchspersonen am Ende des Testes nach ihren "Eselsbrücken" befragt. Hier zeigte sich, daß die wenigsten die weißen Figuren mit dem Wort "hell" identifizierten, sondern sie im Denken meist als "leer" oder "offen" repräsentiert sahen. Im übrigen ist die Originalfarbe Rot ja auch deutlich "heller" als das Schwarz der anderen Figuren.

Die Auswertung erfolgte getrennt für beide Teile in Form der ausgezählten Richtiglösungen. Dabei wurden Rechtschreibfehler (z. B. Ersetzung von "gadu" und "vep" des SRL 1 durch "gado" und "vip" im SRL 2) als falsche Lösungen interpretiert, da die mit dem Verfahren zu messen angestrebte Fähigkeit zum Erlernen fremder Sprachen eine gewisse "Exaktheit" ja geradezu erfordert.




Fragenblatt zur Fremdsprachenbeherrschung


Zur Erfassung einiger persönlicher Daten wurde ein Fragenblatt entwickelt, welches bewußt auf ankreuzbare Kästchen verzichtet, sondern der allgemeinen Erfahrung Rechnung trägt, daß Menschen gern in Fragebögen hineinschreiben. Der Inhalt des Blattes stellt sich wie folgt dar:

"Bitte beantworten Sie zunächst die folgenden 6 Fragen: 1. Wie alt sind Sie? 2. Welches Geschlecht haben Sie? 3. Welcher Berufsgruppe gehören Sie zur Zeit an? 4. Welche Sprachen (außer Deutsch) haben Sie gelernt? 5. Von welcher dieser Sprachen haben Sie sich das meiste gemerkt? 6. Bitte versuchen Sie einmal selbst zu beurteilen, in welcher Qualität Sie die eben genannte Sprache sprechen. Machen Sie ein Kreuz hinter die Aussage, die am ehesten zutrifft. (A) Im bin im Augenblick dabei, diese Sprache zu erlernen. (B) Ich habe sie zwar mal gelernt, kann aber fast nichts mehr. (C) Naja, "sprechen" ist zuviel gesagt, ich kann mich einigermaßen verständlich machen. (D) Ich denke, daß ich sie recht fließend beherrsche und fühle mich im Gespräch mit Muttersprachlern durchaus sicher."

Die umgangssprachlichen Formulierungen sind bewußt so gewählt, da dieses Fragenblatt für die Versuchspersonen am Anfang der Testbatterie stand und es eine gewisse "warming up"-Funktion ausüben sollte. Die Fragen 1, 3, 5 und 6 sind zudem völlig überflüssig, da sie von Anfang an nicht in die Auswertung einbezogen werden sollten, sondern eine "Eisbrecherfunktion" zu Beginn einer für 2-3 Stunden Dauer angekündigten Testbatterie hatten.




Fragestellungen und Hypothesen der Arbeit


Zunächst soll das Theoriegebäude der morphischen Felder überprüft werden. Es soll untersucht werden, ob sich die Effekte, die bei Gültigkeit der Theorie auftreten müßten, tatsächlich nachweisen lassen. Danach beabsichtigt diese Arbeit, die sich aus der Mehrfacherhebung verschiedenster Merkmale sich bietende Gelegenheit insoweit zu nutzen, als nach Zusammenhängen zwischen eventuellen morphischen Effekten und den erhobenen psychischen Merkmalen zu fragen.

Wenn die Theorie der morphischen Felder zutrifft, wäre erstens zu erwarten, daß im MORPH 1 mehr echte als unechte Worte reproduziert werden, da der millionenfache Gebrauch dieser Wörter seit hunderten von Jahren in Japan die morphischen Felder der gesamten Menschheit so stark beeinflußt haben müßte, daß sie auch für Angehörige des deutschen Sprachraumes leichter einprägsam sind. Die Versuchspersonen sollten also unbewußt die echten von den unechten Wörtern unterscheiden, indem sie instinktiv die echten zum Lernen auswählen.

Zweitens sollten im MORPH 2 mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen werden, das heißt, durch die im jeweiligen Sprachraum übliche Kopplung der semantischen Inhalte an die betreffenden Worte müßte die morphische Resonanz auf die richtigen Vokabeln leichter sein als auf die falschen. Die Versuchspersonen sollten sich also bewußt auf die morphischen Felder der fremden Kulturen einstimmen können.

Drittens soll der Zusammenhang zwischen dem MORPH 1 und dem MORPH 2 ermittelt werden.

Viertens soll geklärt werden, welche psychischen Eigenschaften im Zusammenhang zur "morphischen Leistung" stehen. Es gilt also zu prüfen, inwieweit Intelligenz, Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Fremdsprachenlernfähigkeit, die Anzahl bereits erlernter fremder Sprachen und das Geschlecht mit den Leistungen im MORPH 1 und MORPH 2 zusammenhängen.

Schließlich sollte sich fünftens bei Gültigkeit der Theorie noch ein weiterer Effekt ergeben: Da das Material für den MORPH 1 für diese Studie erarbeitet wurde und es deshalb in dieser Form noch nirgendwo auf der Welt zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte jemals verwendet wurde, müßte sich ein neues morphisches Feld bei den teilnehmenden Versuchspersonen bilden. Praktisch würde das bedeuten, daß die Reproduktionsleistungen im Hinblick der Anzahl richtig wiedergegebener Worte (unabhängig vom Anteil echter Wörter, da hierüber den Versuchspersonen keine Rückkopplung gegeben wird) mit steigender Versuchspersonen-Nummer höher werden müßten. Damit ist gemeint, daß diejenigen Versuchspersonen, welche zu einem späteren Zeitpunkt mit der Lernliste untersucht werden, auf das Kollektivgedächtnis ihrer Vorgänger zurückgreifen können, denn je mehr Menschen eine bestimmte Wortmenge auswendig gelernt haben, desto leichter müßte es werden, diese Worte unter ähnlichen äußeren Bedingungen ebenfalls zu erlernen. Es wird also vermutet, daß sich die Versuchspersonen untereinander "morphisch" beeinflussen: die Tage später untersuchten Menschen sollten signifikant mehr Worte der Lernliste reproduzieren als ihre Vorgänger.

Die Hypothesen der vorliegenden Arbeit lassen sich demnach in folgender Weise spezifizieren:

Hypothese 1: Es werden im MORPH 1 signifikant mehr echte als unechte Worte reproduziert.

Hypothese 2: Es werden im MORPH 2 signifikant mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen.

Hypothese 3: Die Leistungen aus MORPH 1 und MORPH 2 korrelieren untereinander signifikant.

Hypothese 4: Einige der erhobenen psychischen Merkmale stehen mit den Leistungen der morphischen Resonanz im Zusammenhang.

Hypothese 5: Die Reproduktionsleistung im MORPH 1 erhöht sich mit steigender Versuchspersonen-Nummer.

Die statistische Hypothesenbildung mit der Beschreibung der für geeignet befundenen statistischen Verfahren wird im Ergebnisteil dargestellt.




Beschreibung der Stichprobe


Als Stichprobe wurden 112 Studentinnen und Studenten untersucht. Den Großteil der Versuchspersonen machten Psychologiestudenten des ersten und zweiten Studienjahres aus, die im Rahmen ihrer Versuchspersonen-Stunden an der Untersuchung teilnahmen. Außerdem wurden durch Aushänge in verschiedenen Studentenwohnheimen weitere "Freiwillige" angeworben. Von den Teilnehmern waren 84 weiblichen und 28 männlichen Geschlechts. Die Untersuchung fand in kleinen Gruppen oder als Einzelversuch statt. Insgesamt wurden 21 Testsitzungen durchgeführt. Die Testmaterialien wurden den Versuchspersonen in folgender Reihenfolge vorgelegt: Fragenblatt zur Fremdsprachenbeherrschung, MORPH 1, APM, MORPH 2, NEO-FFI, SRL 1, SRL 2. Nach erfolgter Bearbeitung des APM wurde jeweils eine in ihrer Länge individuell bestimmbare Pause eingelegt. Die schnellste Versuchsperson bearbeitete die Testbatterie in 2 Stunden und 10 Minuten, die langsamste benötigte knapp 3 Stunden (einschließlich Pause). Diese Differenzen kamen durch die Pausenlänge und durch die individuellen Bearbeitungsgeschwindigkeiten im MORPH 2, NEO-FFI, SRL 1 und SRL 2 zustande.

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Ergebnisse


Die Ergebnisse aller 112 Versuchspersonen in allen erhobenen Variablen sind im Anhang dieser Arbeit aufgelistet. Zusätzlich wurde für den MORPH 1 und den MORPH 2 eine Auswertung auf Itemniveau erarbeitet, welche sich ebenfalls im Anhang findet.


Prüfung der Hypothese 1


Für die Entscheidung über die Hypothese 1 wurde zunächst aus der Gesamtreproduktion der Stichprobe die Menge echter und die Menge unechter japanischer Worte im MORPH 1 ausgezählt. Da jede der 112 Versuchspersonen die Liste mit den 30 Vokabeln zum Einprägen bekam, wurden demnach quasi insgesamt 3360 Vokabeln präsentiert (davon entsprechend 1680 echte und 1680 unechte Wörter). Die Gesamtreproduktionsmenge der Stichprobe beträgt 623. Davon waren 358 echt (57,5 %) und 265 unecht (42,5 %). Nach dem Zufall wäre zu erwarten gewesen, daß die reproduzierten Wortmengen zu gleichen Teilen der echten und der unechten Wortmenge entstammen (also jeweils 50 %). Empirisch wurden also 7,5 % mehr echte Worte produziert als der Zufall es will. Zur Überprüfung, ob das signifikant ist, wurde der Chi- Quadrat-Test für relative Häufigkeiten herangezogen. Dieses Verfahren vergleicht hier das Verhältnis echter zu unechten Worten (358 : 265) mit dem Verhältnis 311,5 : 311,5 (Zufall). Die Berechnung der Prüfgröße Chi-Quadrat erfolgte über eine Vier-Felder-Tafel und beträgt 6,98. Da eine Vier-Felder-Tafel nur einen Freiheitsgrad besitzt, ist der kritische Wert konstant 3,84 bei 5 % Irrtumswahrscheinlichkeit und 6,64 bei 1 % Irrtumswahrscheinlichkeit. Die Nullhypothese des Verfahrens konstatiert eine Gleichheit der beiden Verhältnisse und kann nur zurückgewiesen werden, wenn die Prüfgröße größer als der kritische Wert ist. Genau das ist hier der Fall, so daß also mit 1 % Irrtumswahrscheinlichkeit von einer Verschiedenheit des gefundenen Anteiles echter Worte an der Reproduktionsmenge vom Zufall ausgegangen werden kann.

Eine andere Möglichkeit zur Prüfung desselben Sachverhalts ist die Anwendung des Wilcoxon-Tests auf die Mittelwerte der Mengen echter und unechter Wörter aus der Reproduktionsmenge. Der Wilcoxon-Test ist ein inferenzstatistisches Verfahren zum Vergleich der Mittelwerte zweier abhängiger Stichproben in parameterfreien Verteilungen. Die beiden abhängigen Stichproben werden dadurch erzeugt, daß für jede Versuchsperson die Anzahl echter und die Anzahl unechter Worte ihrer Reproduktion ausgezählt werden. Die Mittelwerte beider Reproduktionsmengen sollten sich in der Stichprobe bei Ablehnung der Möglichkeit morphischer Resonanz nicht signifikant unterscheiden (Nullhypothese). Sie betragen ("95 % Vertrauen" = Vertrauensintervall bei 5 % Irrtumswahrscheinlichkeit, "Std.- fehler" = Standardfehler, "Std.-abw." = Standardabweichung):

Mittelwert95 % VertrauenStd.-fehlerStd.- abw.
echte Worte:3,196± 0,2970,1501,587
unechte Worte:2,366± 0,2410,1221,287


Im Wilcoxon-Test werden die Rangsummen der Differenzen verglichen, diese betragen für Negativdifferenzen (23 Fälle) 818 und für Positivdifferenzen (62 Fälle) 2837, die Anzahl der Nulldifferenzen beträgt 27. Bei den gegebenen Daten ermittelte der Wilcoxon-Test hochsignifikante Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Reproduktionsmengen (P bei zweiseitiger Fragestellung: 9,716e-06). Die Nullhypothese (Mittelwerte beider Mengen sind gleich) muß demnach auch bei diesem Verfahren zurückgewiesen werden.




Prüfung der Hypothese 2


In analoger Weise sind die oben beschriebenen Verfahren natürlich auch beim MORPH 2 anwendbar. Die 112 Versuchspersonen trafen hier insgesamt 11200 Entscheidungen (100 je Person). Vom Zufall erwartet wird eine Trefferquote richtiger Entscheidungen von 50 %, also 5600 richtige und 5600 falsche Entscheidungen. Die Annahme des Mechanismus der morphischen Resonanz sagt eine Abweichung in Richtung Richtigantworten voraus. Empirisch wurden in der Stichprobe 6071 richtige (54,2 %) und 5129 falsche Entscheidungen (45,8 %) getroffen. Im Durchschnitt gibt also eine Versuchsperson bei 100 Items rund 4 % mehr richtige Zuordnungen als der Zufall es will. Das entsprechende Chi-Quadrat der Vier-Felder-Tafel beträgt 39,68 (signifikant). Ebenso liefert der Wilcoxon-Test signifikante Mittelwertunterschiede zwischen der Menge richtiger und der Menge falscher Entscheidungen in der Stichprobe. Die Mittelwerte betragen:

Mittelwert95 % VertrauenStd.-fehler Std.- abw.
richtige Entsch.:54,205± 0,8810,4444,704
falsche Entsch.:45,795± 0,8810,4444,704


Die Rangsummen betragen für die Negativdifferenzen (20 Fälle) 623 und für die Positivfälle (89 Fälle) 5372, die Anzahl der Nulldifferenzen beträgt 3. Der Mittelwertunterschied ist nach dem Wilcoxon-Test hochsignifikant (P bei zweiseitiger Fragestellung: 7,037e-13), womit dessen Nullhypothese (Gleichheit der beiden Mittelwerte) zurückgewiesen wird.

(Zusätzlich durchgeführt wurden der t-Test für relative Häufigkeiten und der Chi-Quadrat-Test von VAN DER WAERDEN, welche beide gleichfalls Signifikanzen meldeten.)




Prüfung der Hypothese 3


Die Rangkorrelation (Spearman) zwischen den Leistungen im MORPH 1 und MORPH 2 beträgt in der Stichprobe 0,009. Die morphischen Leistungen der Versuchspersonen im "bewußten" und "unbewußten" Teil hängen also nicht zusammen.




Prüfung der Hypothese 4


Zur Prüfung des Zusammenhanges zwischen den morphischen Leistungen und den erhobenen psychischen Merkmalen wurden zwei verschiedene Herangehensweisen gewählt. Der erste Zugang ergibt sich aus dem Vergleich der Rangplätze aller Versuchspersonen über alle erhobenen Variablen; der zweite Zugang führt über die Untersuchung der Mittelwerte in allen Merkmalen bei "morphisch begabten" und "morphisch unbegabten" Probanden.

Im folgenden werden zunächst die Spearman'schen Rangkorrelationen aller erhobenen psychischen Merkmale zu den Ergebnissen im MORPH 1 und im MORPH 2 aufgeführt. Neben der Leistung im MORPH 1 (Anzahl echter Worte geteilt durch Gesamtreproduktions-Menge) wird auch die Gesamtreproduktions-Menge (unabhängig des Anteiles echter Worte) als einzelne Variable betrachtet, da diese als Maß für die individuelle Gedächtnisleistung betrachtet werden kann.

MORPH 1MORPH 2
Gesamtreproduktions-Menge 0,0580,256
Intelligenz0,0080,204
Neurotizismus 0,0030,060
Extraversion-0,124-0,047
Offenheit für Erfahrung-0,0440,034
Verträglichkeit-0,134-0,087
Gewissenhaftigkeit-0,152-0,160
Fremdsprachenlernfähigkeit (SRL 1) 0,0900,122
Fremdsprachenlernfähigkeit (SRL 2)0,030 0,122
Anzahl gelernter Fremdsprachen0,1010,127


Bei 5 % Irrtumswahscheinlichkeit sind davon die Korrelationen zwischen der Gesamtreproduktions-Menge, der Intelligenz und der Gewissenhaftigkeit zu den Leistungen im MORPH 2 signifikant. Zum MORPH 1 steht keine der untersuchten psychischen Merkmale im nachweisbaren Zusammenhang. Bei den drei gefundenen signifikanten Korrelationen gilt zu beachten, daß die drei Variablen untereinander kovariieren: die Rangkorrelation zwischen Reproduktionsmenge und Intelligenz beträgt 0,324 (signifikant) und zwischen Gewissenhaftigkeit und Intelligenz -0,303 (signifikant). (Die Korrelation zwischen Reproduktionsmenge und Gewissenhaftigkeit von 0,118 ist nicht signifikant.) Die Zusammenhänge zwischen Reproduktionsmenge und Gewissenhaftigkeit zu bewußten morphischen Leistungen (MORPH 2) könnten also über die Intelligenz vermittelt sein. Deshalb wurden nun partielle Korrelationen berechnet, die den Einfluß der Intelligenz "herausfiltern", um gewissermaßen aus "mittelbaren" Zusammenhängen "unmittelbare" zu ersehen. Zwischen Reproduktionmenge und MORPH 2 beträgt die partielle Korrelation (Kontrollvariable: Intelligenz) 0,182 und bleibt bei 5 % Irrtumswahrscheinlichkeit signifikant (112 Versuchspersonen!), zwischen Gewissenhaftigkeit und MORPH 2 beträgt sie -0,111 und verliert die Signifikanz.

Denkbar wäre auch, daß gar nicht die Intelligenz die "wirkende Variable im Hintergrund" darstellt, sondern die Reproduktionsmenge. Immerhin erzeugt sie die höchste Korrelation zum MORPH 2 und steht als Maß für individuelles Gedächtnis vielleicht in Beziehung zum "Anzapfen" des kollektiven Gedächtnisses. Deshalb wurden auch partielle Korrelationen mit der Reproduktionsmenge als Kontrollvariable durchgeführt. Sie betragen zwischen dem MORPH 2 und Intelligenz 0,155 (nicht mehr signifikant) und zwischen dem MORPH 2 und Gewissenhaftigkeit -0,152 (auch nicht mehr signifikant).

Zur genaueren Beschreibung des Zusammenhanges zwischen den drei Variablen und den Leistungen im MORPH 2 wurde nun eine multiple Regressionsanalyse gerechnet. Werden alle drei Variablen (als unabhängige Variablen; MORPH 2 als abhängige Variable) in die Regressionsgleichung aufgenommen, ergeben sich die folgenden Anstiege:

B95 % Vertrauen Std.-fehlerP
Reproduktionsmenge0,390± 0,3980,201 0,054
Intelligenz0,108± 0,1738,755e-020,218
Gewissenhaftigkeit-0,915± 1,5280,7710,238


R-Quadrat (Bestimmtheitsmaß, d. h. globale quadratische Korrelation der Gleichung mit den Daten der abhängigen Variable) beträgt bei dieser Konstellation 0,092. Das bedeutet, daß 9,2 % der Ursprungsvarianz von MORPH 2 durch die Regressionsgleichung mit den drei Einflußgrößen aufgeklärt wurde (die multiple Korrelation beträgt entsprechend 0,303). Für dieses Modell wurde eine Varianzanalyse gerechnet:

QuadratsummeFreiheitsgrade mittlere QSPrüfgröße FP
Regression225,263 75,093,6350,015
Residue2231,0210820,66
Gesamt2456,2811122,13


Möglich wäre aber auch eine multiple Regressionsanalyse mit Aufnahmeschranken. Das heißt, zunächst befinden sich noch keine Variablen in der Regressionsgleichung; die Aufnahme einer Variable erfolgt nur dann, wenn ihre Signifikanz eine vorgegebene Schranke (hier natürlich: 0,05) überschreitet. Im Gegensatz dazu, wurden in der oben durchgeführten Regressionsanalyse ja alle (ausgewählten) Variablen in die Gleichung aufgenommen. Auch eine solche Regressionsanalyse mit Schranken wurde gerechnet, in derem Ergebnis lediglich der Regressor "Reproduktionsmenge" in die Regressionsgleichung aufgenommen wurde und nun natürlich auch einen signifikanten Anstieg produziert. R-Quadrat beträgt mit dieser einen Variable 0,057:

B95 % VertrauenStd.-fehlerP
Reproduktionsmenge0,495± 0,3800,1920,011


Die entsprechende Tafel der Varianzanalyse lautet:

Quadratsumme Freiheitsgrademittlere QSPrüfgröße FP
Regression140,18 1140,186,6580,011
Residue2316,09110 21,05
Gesamt2456,2811122,13


Dadurch, daß nur eine Variable in die Regressionsgleichung aufgenommen wurde, entspricht die Gleichung selbstverständlich einer einfachen linearen Regression nach dem Modell Y=A+B*X (geprüft wurden auch die Modelle der Potenz-, Exponential-, Logarithmischen und Hyperbolischen Regressionen, welche aber schlechtere Passungen als die lineare Regression liefern). Das Absolutglied der Regressionsgleichung beträgt 51,45.

Der beste Regressor für den Regressanden "bewußte morphische Effekte" ist also die "individuelle Gedächtnisleistung" (erfaßt über die Reproduktionsmenge), welcher knapp 6 % der Varianz des Regressanden aufklärt. Nach diesem statistischen Ansatz wird die Hypothese 4 insoweit bestätigt, als Hinweise darauf erbracht worden, daß drei der erhobenen psychischen Merkmale im Zusammenhang mit morphischen Fähigkeiten stehen könnten.

Der zweite Ansatz teilt die Gesamtstichprobe in zwei Gruppen ("morphisch Begabte" vs. "morphisch Unbegabte"). Hier entsteht zunächst das Problem, nach welchem Kriterium die Zuordnung der Versuchspersonen erfolgen soll. Dabei hilft wieder der Chi-Quadrat-Test für relative Häufigkeiten weiter. Mit ihm läßt sich ermitteln, daß die Reproduktionsleistung einer einzelnen Versuchsperson im MORPH 1 einen Anteil echter Wörter von mindestens 64 % haben muß, um signifikant über Zufallstreffer zu liegen: Chi-Quadrat beträgt dann bei 5 % Irrtumswahrscheinlichkeit 3,998 und liegt somit über dem kritischen Wert von 3,84 der entsprechenden Vier-Felder-Tafel. (Analog dazu muß sie im MORPH 2 mindestens 64 der insgesamt 100 möglichen richtigen Entscheidungen treffen.) Danach lieferten im MORPH 1 insgesamt 39 Probanden signifikante morphische Effekte (34,82 % der Stichprobe), im MORPH 2 waren es 3 (2,68 % der Stichprobe).

Für den MORPH 1 ergibt sich das Problem, daß der erforderliche Anteil echter Wörter von 64 % (der von 39 Versuchspersonen erreicht wurde) mit der eingeschränkten Reproduktionsleistung (die beste Versuchsperson reproduzierte 12 Wörter, im Durchschnitt wurden 5,56 Wörter reproduziert) in Rechnung gestellt werden muß. Trotzdem wurden zum Zweck der Teilung der Stichprobe die 39 Personen als die Gruppe der "morphisch Begabten" und der Rest der Stichprobe als die Gruppe der "morphisch Unbegabten" betrachtet, da das Kriterium "64 %" für eine grobe Einteilung hinlänglich erschien. (Interessanterweise gab es unter diesen 39 Probanden 7 Versuchspersonen [6,25 % der Stichprobe], welche ausschließlich echte Wörter reproduzierten; der Anteil echter Wörter an der Gesamt-Reproduktionsmenge des MORPH 1 betrug also bei ihnen 100 %.)

Die beiden erzeugten Gruppen des MORPH 1 wurden nun mit dem U-Test von Mann & Whitney auf Mittelwertunterschiede in allen erhobenen psychischen Merkmalen untersucht. (Der U-Test ist ein inferenzstatistisches Verfahren zum Vergleich der Mittelwerte zweier unabhängiger Stichproben mit parameterfreien Merkmalsverteilungen.) Wie bereits aus dem ersten Ansatz (keine signifikanten Rangkorrelationen zum MORPH 1) erwartet, lieferte auch der Mittelwertvergleich keine signifikanten Unterschiede.

Für die Teilung der Stichprobe im MORPH 2 wurde als willkürliches Kriterium festgelegt, daß alle Versuchspersonen mit mindestens 60 % Richtiglösungen zur Gruppe der "morphisch Begabten" (N = 14) zu zählen sind, der Rest entsprechend zur Gruppe der "morphisch Unbegabten" (N = 98). Damit sollte vermieden werden, daß nur 3 Versuchspersonen eine Gruppe bilden. (Wird mit den 3 Probanden als eine Gruppe gerechnet, ergeben sich lediglich signifikante Geschlechtsunterschiede, da alle drei männlichen Geschlechts waren; P zweiseitig: 0,0025 - der Geschlechtsunterschied in den Leistungen des MORPH 2 läßt sich auch für die gesamte Stichprobe feststellen, vgl. dazu Anhang.)

Der U-Test erbrachte tatsächlich einen signifikanten Mittelwertunterschied: die "morphisch Begabten" sind intelligenter als der Rest der Stichprobe (P einseitig = 0,018 / P zweiseitig = 0,035):

"morphisch Begabte""morphisch Unbegabte"
Intelligenz-Mittelwert39,0035,73
95 % Vertrauen± 2,65 ± 1,09
Standardfehler1,230,55
Standardabweichung 4,595,44


Tendenziell ist auch die Reproduktionsleistung bei den "morphisch Begabten" höher (P einseitig = 0,032 / P zweiseitig = 0,064):

"morphisch Begabte" "morphisch Unbegabte"
Repro-Mittelwert6,505,43
95 % Vertrauen± 1,01± 0,46
Standardfehler0,470,23
Standardabweichung1,742,31


Die in der ersten Herangehensweise (Rangkorrelationen) gefundenen Zusammenhänge lassen sich also auch in der zweiten (Mittelwertvergleiche) ansatzweise finden.




Prüfung der Hypothese 5


Die Rangkorrelation zwischen der Versuchspersonen-Nummer und der Reproduktionsmenge beträgt 0,233 und ist hochsignifikant (weniger als 1 % Irrtumswahrscheinlichkeit). Die insgesamt 21 Testsitzungen, welche über die Dauer von knapp 2 Monaten verteilt waren, erbrachten also einen Zuwachs an Reproduktionsleistung der Versuchspersonen. Später untersuchte Probanden erinnerten mehr Worte als früher untersuchte. Da die Versuchspersonen-Nummer zu keiner anderen erhobenen Variable des gesamten Versuchsplanes signifikant korreliert, ist dieser Effekt nicht durch eine andere Variable vermittelt.

Um auszuschließen, daß der gefundene Effekt vielleicht durch wenige, besonders merkfähige Probanden zustandekam, die zufällig am Ende des Untersuchungszeitraumes die Testbatterie durchliefen, wurde zur Überprüfung ein weiteres Verfahren angewandt: Für das erste und das vierte Quartil der Stichprobe (erste 28 und letzte 28 Versuchspersonen) wurden getrennt die Mittelwerte der Reproduktionsmengen berechnet und statistisch miteinander verglichen. Sie betragen für das erste Quartil 4,96 und für das vierte Quartil 6,68. Dieser Mittelwertunterschied wurde mit dem U-Test von Mann & Whitney geprüft:

NRangmittel Prüfgröße UP (einseitig)P (zweiseitig)
1. Quartil2822 2100,00130,0025
4. Quartil2835574


Der Effekt bleibt also hochsignifikant: Später untersuchte Versuchspersonen reproduzieren mehr Wörter als früher untersuchte. (Dies kann unmöglich über die Intelligenz vermittelt sein; beide Gruppen sind nämlich hinsichtlich ihrer Intelligenz homogen.)




Interpretation


Nachfolgend werden die durch die statistischen Verfahren gewonnenen Ergebnisse auf die inhaltlichen Fragestellungen dieser Arbeit rückübertragen und interpretiert. Allgemein ist festzustellen, daß die Untersuchungsbefunde dieser Arbeit die Theorie der morphischen Felder tatsächlich bestätigen.


Interpretation der entschiedenen Hypothese 1


Wie von der Theorie der morphischen Felder vorausgesagt, haben die Versuchspersonen im Durchschnitt tatsächlich mehr echte als unechte Worte im MORPH 1 reproduziert. Die Interpretation liegt nahe, daß die morphische Resonanz auf häufig gebrauchte Wörter leichter fällt als auf völlig neuartige Wörter und daß sich deshalb die echten Wörter besser einprägen ließen.

Aufgrund der beschriebenen Sorgfalt bei der Bildung der Kunstworte ist ein "Verfremdungseffekt" bei sinnlosen Silben praktisch auszuschließen. Zudem spielten potentielle Primacy- und Recency-Effekte bei der Reproduktion der Lernliste keinerlei Rolle. Nach Zählung der Nennungen jedes Items (sh. Anhang) wurde deutlich, daß alle Items in etwa gleich häufig reproduziert wurden. Das am häufigsten reproduzierte echte Wort war "emono" (33), das am häufigsten reproduzierte unechte Wort war "gemane" (31).

Auffällig ist jedoch, daß auf Individualebene lediglich 39 Versuchspersonen signifikante morphische Effekte zeigten. Dies spricht eher gegen eine Allgemeingültigkeit der Sheldrake'schen Theorie und zeigt, daß nur einige Menschen ist der Lage sind, in morphische Resonanz mit dem Kollektivgedächtnis zu treten.




Interpretation der entschiedenen Hypothese 2


Auch im Test zur Prüfung bewußter morphischer Effekte (MORPH 2) ließen sich überzufällige Erkennungseffekte fremdsprachigen Materials beobachten. Der von der Theorie vorausgesagte Effekt ist im Sinne der bereits ausgeführten Überlegungen zur leichteren morphischen Resonanz bei gebräuchlichen Kopplungen von Vokabeln mit deren Bedeutungen interpretierbar.

Eine etwaige Verfälschung der Ergebnisse durch erkennbar "richtige" oder "falsche" Items ist hier ebenfalls nicht eingetreten, wie die Itemauswertung im Anhang belegt. Danach war die am häufigsten getroffenen richtige Entscheidung im MORPH 2 war das Item 1 der japanischen Schriftzeichen (75), die am häufigsten getroffene falsche Entscheidung war das Item 4 der japanischen Schriftzeichen (77).




Interpretation der entschiedenen Hypothese 3


Die Nullkorrelation zwischen MORPH 1 und MORPH 2 könnte ein Hinweis darauf sein, daß "bewußter" und "unbewußter" Zugriff auf das Kollektivgedächtnis nach unterschiedlichen Mechanismen (entsprechend der Anforderungsstruktur) stattfindet, d. h. der Prozeß der morphischen Resonanz nicht für alle Aufgabentypen einheitlich ist.

Es besteht aber auch eine andere Interpretationsmöglichkeit für den fehlenden Zusammenhang zwischen MORPH 1 und MORPH 2: Es ist vorstellbar, daß morphische Resonanz nur unbewußt erfolgt und bewußte Reflexion (wie im MORPH 2 gefordert) den Prozeß eher stört. Da morphische Effekte auch von Tieren berichtet worden, ist dies (auch im Hinblick auf die schwächeren "bewußten" Effekte in dieser Untersuchung) durchaus denkbar.




Interpretation der entschiedenen Hypothese 4


Zunächst sei angemerkt, daß sich lediglich für MORPH 2 psychische Einflußfaktoren finden ließen, nicht für MORPH 1. Das bedeutet natürlich nicht, daß es keine Determinanten unbewußter morphischer Resonanz gibt. Möglicherweise hängt sie von anderen als den untersuchten Merkmalen ab. Gleiches gilt selbstverständlich auch für den "bewußten" Teil: vielleicht gibt es ja neben den gefundenen Hinweisen noch andere, in dieser Untersuchung gar nicht geprüfte Einflußfaktoren morphischer Resonanz.

Es konnten Hinweise auf insgesamt vier psychische Eigenschaften erbracht werden, die mit den Leistungen im MORPH 2 im Zusammenhang stehen.

Als erstes erzeugen intelligentere Menschen bessere morphische Leistungen. Als Interpretation wäre vorzuschlagen, daß nicht die Intelligenz eines Menschen auf dessen Zugriffsmöglichkeiten zum Kollektivgedächtnis wirkt, sondern daß es sich möglicherweise umgekehrt verhält: je besser sich ein Mensch auf die morphischen Felder der Menschheit einstimmen kann, desto intelligenter wird er. Diese Interpretation ist zwar etwas gewagt, nach den vorliegenden Daten aber immerhin denkbar.

Als zweite Variable wurde die Gewissenhaftigkeit ermittelt (nur in der Korrelationsbetrachtung, nicht im Mittelwertvergleich). Je niedriger die Ausprägung einer Versuchsperson auf dieser Skala war, desto bessere Ergebnisse (im Durchschnitt) erzielte sie im MORPH 2. Auch das ließe sich wieder dahingehend interpretieren, daß bewußte Anstrengung morphische Effekte eher stört: Wenig gewissenhafte Menschen könnten sich vielleicht nicht nur im Alltag, sondern auch im Verfahren selbst durch eine "laxe" Haltung auszeichnen. Möglicherweise trafen sie gleichgültig, unmotiviert und ohne lange zu überlegen die geforderten Entscheidungen und erzielten dadurch gerade gute Ergebnisse.

Die dritte Größe ist die Reproduktionsmenge, sprich die individuelle Gedächtnisleistung (tendenziell auch im Mittelwertvergleich erkennbar). Je geschulter ein Gedächtnis, desto besser gelingt auch der Zugriff auf das kollektive Wissen. Hier bietet sich eine "umgekehrte" Interpretation wieder geradezu an: Kann sich ein Mensch gut auf die morphischen Felder anderer Menschen "einstimmen", erhöht sich damit seine eigene Gedächtnisleistung, da der Inhalt seines Gedächtnisses ja zumeist auch von anderen Menschen beherrscht wird. Gemeint ist also eine Art Wechselbeziehung zwischen Kollektiv- und Individualgedächtnis. Denkbar wäre auch, daß der Prozeß des Abrufens gespeicherter Informationen sowohl von individuellen als auch von kollektiven Inhalten nach identischem funktionalen Wirkprinzip erfolgt. Trifft dies zu, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß sich auch das Individualgedächtnis außerhalb des Gehirns befindet.

Die vierte Einflußgröße ist das Geschlecht. Männliche Probanden erreichten im MORPH 2 bessere Ergebnisse als weibliche (sh. Anhang). Hier gelingt keinerlei Interpretation. Geschlechtsunterschiede in morphischen Effekten wurden bisher (meines Wissens) noch nicht publiziert.




Interpretation der entschiedenen Hypothese 5


Eines der verblüffendsten Ergebnisse dieser Arbeit ist zweifellos die Bestätigung des Reproduktionszuwachses über den Untersuchungszeitraum, da es sich (ohne Annahme eines puren Zufalles) nur im Sinne der Theorie von Rupert Sheldrake begründen läßt. Wird seine Theorie auch nur probeweise zugelassen, so ist dieser Effekt jedoch keineswegs überraschend, sondern war zwangsläufig zu erwarten. Das neu erarbeitete Lernmaterial hatte gewissermaßen anfangs noch kein eigenes morphisches Feld, dieses prägte sich mit zunehmender Verwendung aus. Je häufiger die Untersuchung bereits durchgeführt war, desto besser gelang es den Versuchspersonen, auf das Wissen ihrer Vorgänger zurückzugreifen. Da nun die Aneignung von Material leichter fällt, das bereits von anderen Menschen angeeignet wurde (morphische Resonanz), nimmt es nach der Theorie nicht wunder, daß sich die Reproduktionsmenge erhöhte.




Ausblick


Insgesamt wurden in dieser Untersuchung morphische Effekte gefunden, die mit der Theorie von Rupert Sheldrake erklärbar sind. Bei aller Skepsis, die gegenüber neuen, spektakulären Modellen entgegengebracht wird, scheint doch seine Theorie ein lohnenswerter Untersuchungsgegenstand zu sein. Am interessantesten für die Zukunft erachte ich dabei die Frage des Zusammenhanges zwischen dem Individual- und dem Kollektivgedächtnis; hier stehen wir womöglich vor bahnbrechenden Entdeckungen.

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Erklärung über den Originalcharakter der eingereichten Arbeit


Ich erkläre mit meiner Unterschrift, daß die vorliegende Diplomarbeit mein geistiges Eigentum ist, daß ich sie selbständig und nur unter Verwendung der angegebenen Literatur erstellt habe.

Dirk Baumeier, Leipzig im Februar 1996




Anhang



Deskriptive Statistik aller Variablen


Im folgenden seien die Mittelwerte und Standardabweichungen aller erhobenen Variablen dieser Untersuchung (N = 112) aufgeführt.

MittelwertStandardabweichung
Reproduktionsmenge 5,5622,269
MORPH 10,5650,207
MORPH 254,2054,704
Intelligenz36,1435,429
Neurotizismus1,8820,516
Extraversion2,398 0,508
Offenheit für Erfahrung2,8400,466
Verträglichkeit 2,6040,442
Gewissenhaftigkeit2,5160,586
SRL 19,8044,374
SRL 28,3213,630
Anzahl gelernter Sprachen3,0310,905





Prüfung auf Geschlechtsunterschiede


Alle erhobenen Variablen wurden mit dem U-Test von Mann & Whitney auf Geschlechtsunterschiede geprüft. Die ordinal skalierte, abhängige Variable wurde jeweils durch die nominal skalierte, unabhängige Variable "Geschlechtszugehörigkeit" in zwei Gruppen geteilt. Dadurch entstanden wieder zwei Reihen, von denen ausgegangen werden konnte, daß sie unkorreliert sind. Im Ergebnis aller U-Tests wurden bei den folgenden drei Variablen signifikante Geschlechtsunterschiede nachgewiesen: im MORPH 2 erzielten die männlichen Probanden (N = 28) signifikant bessere Ergebnisse als die weiblichen (N = 84), auf der Skala Verträglichkeit des NEO-FFI hatten die weiblichen Versuchspersonen signifikant höhere Werte als die männlichen, im SRL 2 produzierten die männlichen Versuchspersonen signifikant mehr Richtiglösungen als die weiblichen:

Männer Frauen
Mittelwert im MORPH 255,7553,69
Mittelwert in Verträglichkeit2,412,67
Mittelwert im SRL 29,397,96





Andere Signifikanzen


Außerhalb der geprüften Hypothesen ergaben sich die folgenden signifikanten Rangkorrelationen der erhobenen psychischen Merkmale untereinander (da diese Korrelationen nicht Gegenstand der Arbeit waren, wurden sie in ihr nicht dargestellt und interpretiert):

Intelligenz / Reproduktionsmenge:0,324
Intelligenz / Offenheit für Erfahrung:0,383
Intelligenz / Gewissenhaftigkeit:-0,303
Intelligenz / Anzahl gelernter Sprachen:0,159
Neurotizismus / Extraversion:-0,255
Neurotizismus / Verträglichkeit:-0,173
Neurotizismus / Gewissenhaftigkeit: -0,182
Extraversion / Offenheit für Erfahrung:0,195
Offenheit für Erfahrung / Gewissenhaftigkeit:-0,176
Offenheit für Erfahrung / Anzahl gelernter Sprachen: 0,179





Zusammenhänge zur SRL


Gewissermaßen als Nebenprodukt der Untersuchung schien interessant, inwieweit Zusammenhänge zwischen dem SRL und den erhobenen psychischen Variablen bestehen, da hierzu bislang kaum Studien vorlagen. Im folgenden werden zunächst die Rangkorrelationen aller erhobenen psychischen Merkmale zu den Ergebnissen im SRL 1 und SRL 2 aufgeführt.

SRL 1SRL 2
Gesamtreproduktions-Menge-0,0200,079
Intelligenz0,2800,213
Neurotizismus-0,086 0,030
Extraversion-0,047-0,184
Offenheit für Erfahrung 0,0470,069
Verträglichkeit-0,062-0,127
Gewissenhaftigkeit-0,112-0,089
Anzahl gelernter Fremdsprachen-0,019 -0,043


Die Korrelation des SRL 1 und des SRL 2 untereinander beträgt 0,733 und ist natürlich hochsignifikant. Ansonsten ist zu beiden lediglich der Zusammenhang der Intelligenz statistisch überzufällig (die Korrelation zwischen Extraversion und SRL 2 ist zwar auch knapp signifikant, stellt wohl aber eher einen Artefakt dar). Der Zusammenhang zur Intelligenz ist wiederum genauer mit einer Regressionsanalyse prüfbar. Zum SRL 1 beträgt der Anstieg 0,219 und die Varianzaufklärung 7,4 %. Zum SRL 2 beträgt der Anstieg 0,120 und die Varianzaufklärung 3,2 %.

Dieser gefundene Zusammenhang zur Intelligenz überrascht nicht, denn der SRL stellt ja eine Art "Intelligenztest für sprachlich-syntaktische Anforderungen" dar. Die Fähigkeit regelfindenden Denkens ist sowohl im SRL als auch im APM eine notwendige Voraussetzung zur Lösung der Aufgaben. Bemerkenswert ist jedoch, daß die Ergebnisse im SRL nicht mit der Anzahl der gelernten Sprachen zusammenhängen. Zu erwarten wäre durchaus gewesen, daß "fremdsprachig begabte" Menschen auch wirklich mehr Sprachen lernen als weniger begabte. Dies ist jedoch mit den vorliegenden Daten nicht bestätigbar. Zunächst scheint dieser Befund in gewisser Weise gegen die Validität der SRL zu sprechen, das ist aber nicht unbedingt zwingend, da Fremdsprachenlernfähigkeit ja noch von anderen Faktoren als der "grammatischen Sensibilität" abhängt (z. B. phonetische Diskriminationsfähigkeit, Gedächtnis). Am wahrscheinlichsten ist aber die Erklärung, daß der Auswertungsmodus des SRL bei dieser Untersuchung zu streng war. Das Verfahren ist ja ursprünglich als (mündliches) Diagnostisches Programm konzipiert; in dieser Untersuchung mußte es (aus ökonomischen Gründen) als schriftlicher Statustest durchgeführt werden. Um größere Streubreiten in der Anzahl richtig gelöster Aufgaben in der (für diesen Test eigentlich zu "intelligenten") Stichprobe zu erzeugen, wurde in der Auswertung besonders streng verfahren. So wurden Rechtschreib- und Wiederholungsfehler eben als Falschlösungen gewertet.

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